Grün aus Ihrem Garten
(OÖ. Rundschau, Genuss-Specht, 04 04 2002)

Nicht mehr lange, dann stört das laute Brummen und Dröhnen der Rasenmäher die Frühlingsruhe. Höchste Zeit, fürs sich Bücken, Pflücken und Sammeln...

Das zarte Grün ist viel zu schade, um von den scharfen Scheren des Mähers erwischt zu werden. Es wäre wert, in einem Ihrer Kochtöpfe zu landen. Der Genuss-Specht hat sich im Garten umgeschaut, was hier so blüht und gedeiht und einiges entdeckt, was ganz phantastisch schmeckt - Löwenzahn (es gibt mehrere Sorten), Brennessel, Sauerampfer, Veilchen, Himmelschlüssel, Lungenkraut oder Gänseblümchen. Zwei naturliebende Köche befragt, fällt das Urteil über die Vewendung dieser Frühlings- kräutern sehr unterschiedlich aus.

Haubenkoch Erich Lukas von der Verdi-Diele ist von dem Blümchen-Allerlei in seiner Küche abgekommen. Dafür hat er ein paar Koch-, Pflück- und Einkaufstipps für die grünen Kräuter parat. Vom Bärlauch nur junge Blätter verwenden. "Je größer sie werden, desto weniger Geschmack haben sie", sagt Lukas. Er verwendet sie fein geschnitten zu Salaten oder für eine Bärlauchsuppe. Brennessel und Brunnenkresse verwendet Erich Lukas ebenfalls für cremige Suppen. "Aber die Kräuter dürfen in diesem Fall erst ganz am Schluss dazu, sonst werden sie schnell grau und bitter." Sauerrampfer würde er nur als Salat verwenden.

Holt Zutaten aus dem Garten ...

Einer, der total auf Grün und Blüten setzt, ist Hannes Braun vom "p´aa", das vor kurzem in der Altstadt eröffnete. Der Spezialist für Vegetarisches und Biologisches holt sich die meisten seiner Zutaten aus dem eigenen Garten. "Für den Gründonnerstag habe ich stundenlang Brennesseln gepflückt und damit einen Erdäpfel-rennessel sowie den klassischen Spinat gemacht", erzählt Braun.

Frisch aus Brauns Garten ...
Verwendet werden nur ganz junge Pflanzen. Ob ihm das Pflücken nicht weh tut? "Ja, schon und Handschuhe kann man für diese Arbeit nicht verwenden", so Braun, der auch Taubnesseln für Spinat verkocht. Junge Sauerampferblätter landen bei ihm in der Salatschüssel - ebenso zarter Wiesenkerbel, Löwenzahn und Brunnenkresse. Über den marinierten grünen Blättern machen sich laut Braun als farbliche Tupfer die Blütenblätter von Himmelschlüssel (gelb) oder Lungenkraut (rosa/blau) gut. Aus Sauerampferblättern lässt sich laut dem begeisterten Vegetarier eine herrliche Sauce machen - junge Blätter blanchieren, Gewürze und Sahne dazu - mixen. Und voilà - fertig ist noch eine lukullische Spezialität - frisch aus Ihrem Garten.

Advent-Wärmepol Kunst-Uni - p´aa restaurant lounge
(OÖ. Rundschau, 26 11 2002)

Die Architekturstudenten der Linzer Kunst-Uni schalten sich heuer gestaltend auch in das adventliche Geschehen ein. Sie betreiben bis 22. Dezember täglich von 12 bis 22 Uhr den Punschstand "Wärmepol" in den Arkaden der Kunst-Uni am Linzer Hauptplatz. Die Eröffnung am Freitag begossen unter anderen Kunst-Uni-Rektor Reinhard Kannonier mit Frau Greta, der Linzer Polizeidirektor Walter Widholm mit Gattin Friederike, landestheater-Indendant Michael Klügl mit Maria Zimmermann in froher Runde.

Gesunder Bauch studiert voll gern
(OÖ. UniNachrichten, 10 12 2002)
Ernährung: Wo kann man gut und gesund essen? Eine Verkostung vom Snack bis zum Menü

von Claudia Werner
Linz. G'schwind ein Weckerl oder den Schokoriegel von vorgestern, der noch in der Tasche sein muss... Üppig ist es meist nicht, was sich Studiosi zwischen Vorlesung und Prosemiar in der Eile genehmigen. Und sehr selten ist es gesund.
Die UniNachrichten begaben sich aufs freie Gelände und forschten nach, wo gesunde Ernährung gemütlich und entspannt (und bevorzugt nicht zu teuer) möglich ist. Und die Lage ist erfreulich, wenn man von der Entfernung zur Uni absieht.
Wobei man sich nicht in die Irre führen lassen sollte: Gesund ist nicht immer auch bio. Deulich wird dies etwa bei der "Gesunden Pause" in den dm-Drogeriemärkten. Fünf Mal sind sie alleine in Linz vertreten, einmal nahe der Uni, und ist sicher guter Stopp für einen frisch gepressten Saft, vegetarische Snacks und einen Cappuccino mit Vollkorn-Linzerauge. Alles besser als der Schokoriegel, aus biologischem Anbau ist hier aber nichts. Anders bei den übrigen, auf dieser Seite vorgestellten Nahrungsquellen: Mit viel Engagement kochen etwa Bruno Mayer und harry Siegl biologisch, vollwertig und vegetarisch. Harry führt das Café Lebensfreude, sein Partner betreibt seit kurzem auch noch das Biotop in der Pädagogischen Akademie.
Ein kleines Paradies in Sachen Brot und Gebäck, vor allen aber Mehlspeisen ist Inges Biocafé von Alois Stingeder in Urfahr, mit dem größtem Sortiment von Biobäcker Helmut Gragger, der sein Getreide selbst mahlt, alles im Steinofen bäckt und sämtliche Linzer Reformläden und einige Lokale beliefert. Darunter ist auch das Restaurant p'aa in der Altstadt, wo Hannes Braun seiner kreativen Küche freien Lauf lässt. Zum Glück, denn diese Kombination aus bekömmlich und gut findet sich im Umreis nicht so bald. Auf kleinerem Raum kocht Sylvia Schauberger seit zwei Jahren in ihrem Naturkostladen am Linzer Hauptplatz, und zwar vorwiegend insisch. Daneben residiert das Mangolds, immer noch bekannt fürs gesunde Essen, aber mit deutlich geringerem Bioantiel als früher.
Zeitlich limitiert ist der Wärmepol der Linzer Architekturstudenten: Noch bis zum 22. Dezember gibt's hier Glühwein mit biologischen Imbissen vom p'aa. Was beweist: G'sund und g'schwind gehen in Linz doch zusammen.

p'aa ist tibetanisch und heißt "dorthin". Dem Ruf sollte man folgen, es eignet sich bestens als Belohnung für bestandene Prüfungen. Die Produkte stammen aus Bioanbau, "Wildwuchs und dem eigenen Garten", verrät die Karte mit Exotischem (z.B. Thaicurry) ebenso wie Klassischem (z.B. Doublesider: Grünkern-Käse-Focaccia). Die Speisen gibt's auch zum Mitnehmen (Altstadt 28).

Punschstand bei der Linzer Kunstuni gemeinsam mit p´aa restaurant lounge
(OÖ. Nachrichten, Architektour, 12 12 2002)

Stimmungsvoller Wärmepol für die Adventzeit
VON ROMANA RING

Linz hat einen Wärmepol.
Während auf dem Christkindlmarkt auf dem Hauptplatz noch der Kampf um die zukünftige Gestalt der Stände tobt, haben es sich die Arkaden des westlichen Brückenkopfgebäudes mittels einiger Quadratmeter farbiger Kunststoffplane so gemütlich gemacht, wie es die Stimmung vor Weihnachten allgemein gebietet.
Einfach gezimmerte Rahmen, mit einer leuchtend orangefarbenen Haut bespannt und in die Zwischenräume der Pfeiler gestellt, schneiden aus dem zugigsten Durchgang der Stadt einen Ort, der seinem Namen gerecht wird, indem er ihn verkörpert. Mit einbrechender Dunkelheit nimmt die suggestive Kraft der von innen erleuchteten Wandschirme noch um einiges zu.
Die Paravents hemmen die Geschwindigkeit des Schrittes ebenso, wie sie der Zugluft Einhalt gebieten. Ihre strahlende Farbe ruft festlich gestimmte Begriffe wie Energie, Freude und nicht zuletzt Wärme in uns wach. Doch bleibt die Inszenierung der Behaglichkeit nicht auf die Einbildungskraft beschränkt. Mobiliar, einfach und genau gestaltet und platziert, schafft Raum aus einem Verkehrsweg ohne ihn damit als solchen abzuwerten. Die Zugänge von Apotheke und Kunstuniversität werden nicht verlegt, nein, ihnen ist lediglich ein Entree hinzugegeben, welchem selbst die Verkehrsachse zwischen Platz und Brücke keinen Abbruch tut. Anzahl und Typen der Objekte bezeugen den Willen zur Ordnung und Übersichtlichkeit: eine Bar, an der hausgemachter Punsch und Speisen verkauft werden, zwei hölzerne Bänke und die Tische, die eben jene Wärme verströmen, welche uns das Ambiente verspricht. Quadratische Säulen aus handelsüblichen Kaminsteinen tragen in bequemer Stehhöhe kleine quadratische Faserzementplatten. Im Inneren der Betonsäulen erglüht Kohle. Ein einfaches Ornament aus kreisrunden Öffnungen ist in die Betonsteine geschnitten, die - Öfen und Lampen zugleich - den Raum mit der gezähmten Glut erfüllen.
Der Wärmepol ist das Ergebnis eines Wettbewerbes. Die Not - welche ja bekanntlich erfinderisch macht - eines an allen Ecken und Enden gekürzten Budgets hat die Linzer Architekturschule an der Kunstuniversität mit der Idee zu dem Wettbewerb inspiriert, der mehr leisten sollte, als nur die Kassa für Exkursionen und Seminare zu füllen.
Im Sommersemester als Studienprojekt durchgeführt und von einer Jury beurteilt, der Vizebürgermeister Hans Nöstlinger als Vertreter der Stadt Linz angehörte, hat der Wettbewerb mehrere Preisträgerteams hervorgebracht. Gut zusammengearbeitet haben: Alexander Kollmann, Ursula Nikodem und Annelie Zellinger (Organisation), Sigi Atteneder, Alfred Barth und Anna Heringer (Stand und Wahl der Farbe Orange) sowie Peter Bieregger, Tobias Hagleitner, Sabine Pohn-Malzner und Gunar Wilhelm (Glühsäulen). Großzügig von der Wirtschaft unterstützt hat die Linzer Architekturschule unter der Leitung von Roland Gnaiger das Alltägliche zum Thema gewählt und durch ihren sparsam gesetzten räumlichen Eingriff Stellung bezogen: zu städtischen Strukturen, dem Tempo unseres Daseins und der weitgehenden Kapitulation vor dem Kommerz. Gutes Essen, Trinken, Ausruhen, Wärme, Licht, ein guter Raum - ob öffentlich oder privat - stehen in engem Zusammenhang. Sie sind unsere Alltagskultur, die wir uns nicht nehmen lassen sollten.